Mein Aufstiegsversprechen

Jeder träumt davon, voranzukommen: sich etwas leisten zu können und eine Perspektive zu haben, sich keine Sorgen machen zu müssen. Schwer wird das Leben, wenn es von dem Gefühl geprägt ist, eingemauert zu sein in seiner Position.

Als Kind lebte ich in einer Straße, in der niemand reich war. Schlichte Wohnungen, wenig Geld und viele Kinder. Eine Straße, in der man sich nichts leisten konnte und die dennoch voller Freude und Zuversicht war. All unsere Eltern träumten davon, dass es den Kindern durch Bildung in Zukunft besser geht und sie es einfacher haben. Ich bin so ein Kind, und ich habe nicht vergessen, was das bedeutet.

Nach der Grundschule ging ich zuerst auf die Realschule. Aber mein Klassenlehrer befand schnell, dass ich es auch auf dem Gymnasium schaffe. Eine Empfehlung, die in meinem Elternhaus Freude und Sorge zugleich auslöste: Wie sollen wir uns die längere Schulzeit leisten können? Wie die Kosten für Nachhilfe, Schulmaterial und Klassenfahrten aufbringen?

Doch die Zuversicht überwog. Deshalb willigten meine Eltern ein. Sie wollten mir den Weg möglich machen, und ich war bereit ihn zu gehen, egal, wie weit er werden wird.

Für mich hieß das, auf eine andere Schule zu gehen als die meisten anderen Kinder in unserer Straße. Besser gesagt: einen anderen Eingang an derselben Schule zu nutzen. Eine Entscheidung, die mich prägte. Genauso wie die klare Ansage meines Vaters, dass ich mich auf den Hosenboden setzen und jetzt auch den Weg zu Ende gehen müsse.

Was ich damals nicht ahnte: Meine Eltern wussten sehr genau, dass – als sie sich dafür entschieden, mir das Gymnasium zu finanzieren – sie das nur für einen von uns konnten. Der Weg, der mir ermöglicht wurde, stand meinen drei Geschwistern nicht mehr offen. Eine Tatsache, die mich bis heute prägt. Ein Umstand, der mich bis heute demütig macht. Für mich ist daraus ein Auftrag geworden. Der Auftrag, dass die Türen, die mir offenstanden, allen Kindern offenstehen müssen. Egal, woher sie kommen, egal, wie viel die Eltern verdienen.

Was damals war, ist noch heute so. Bildung und Herkunft hängen zusammen. Eltern, die weniger Geld haben, können ihren Kindern weniger ermöglichen. Die Schule verlangt zwar kein Schulgeld mehr, aber sie kostet dennoch viel. Für viel zu viele Familien zu viel.

Ich will dafür sorgen, dass nicht mehr Herkunft über den Bildungsweg von Kindern entscheidet. Ich will dafür sorgen, dass der Fleiß und die Klugheit eines Kindes entscheidend wird für den Erfolg und nicht der Reichtum des Elternhauses.

Wenn Sie mich fragen, was das Wichtigste in meiner Politik ist, dann ist es genau das. Ich glaube zutiefst daran, dass unsere Gesellschaft nur besteht, wenn sie Hoffnung auf Zukunft macht. Egal, woher man kommt oder wo man im Leben gelandet ist, es muss in Hessen weitergehen. Nur wer eine Perspektive hat, geht auch voran. Nur wer eine Perspektive hat, glaubt weiterhin an unser Land. So prägend wie diese Erfahrung für mich war und weiterhin ist, können Sie sich sicher sein, dass ich das nie vergesse.