Familienbande

Mensch Thorsten: Beim Ausflug mit seiner Frau Annette und seiner ältesten Tochter Svenja erfährt man viel über Thorsten Schäfer-Gümbel, der im Oktober hessischer Ministerpräsident werden will.

Bild: Götz Schleser

Interview

Wofür hat Ihr Vater immer Zeit?

Svenja Gümbel: Wenn ich ihn anrufe und sage: Papa, wir ­müssen ­reden, dann würden wir immer direkt reden. Das ist ganz ­wichtig: Wenn ich ihn brauche, dann ist er da.

Wie würden Sie Ihr Elternhaus beschreiben?

Svenja Gümbel: Es ist sehr warm und geborgen, sehr liebevoll. Es ist eine Rückzugsmöglichkeit. Auslandsaufenthalte wie mein ­Freiwilliges Soziales Jahr in Costa Rica konnte ich nur machen, weil ich wusste, ich kann immer wieder zurückgehen. Und es ist ein geschützter Raum – das war auch immer ganz wichtig, weil mein Vater Politiker ist.

Sie haben drei Kinder – Svenja ist 19, Gregor 16 und Charlotte 11 – welchen Vorteil haben große Familien?

Thorsten Schäfer-Gümbel: Es ist nicht alles so fokussiert auf einen, man hilft sich wechselseitig. Es ist abwechslungsreicher, es ist im ­Zusammenleben einfacher, weil jeder von jedem lernt.

Bild: Götz Schleser

Annette Gümbel: Es erfüllt mich mit Glück, wenn ich sehe, wie unsere drei Kinder miteinander umgehen und füreinander da sind. Und dieser Bezug zueinander wird die drei tragen, der wird bleiben, egal was mal sein wird. Ich denke, Geschwisterliebe, wenn sie funktioniert, ist was Wunderschönes.

Svenja Gümbel: Wir drei Geschwister sind in unseren ­Charakteren sehr unterschiedlich. Und trotzdem harmoniert es zu dritt so gut, dass wir uns gegenseitig ganz viel Kraft und Unterstützung geben. Und ja, unsere Eltern ermöglichen uns ­allen dreien die gleichen Wege, das bedeutet aber nicht, dass jeder den gleichen Weg gehen muss. Mein Bruder und ich gehen sehr unterschiedliche Wege und das ist beides gut, beides wird unterstützt. Das ist wichtig.

Sie erleben das hessische Bildungssystem von innen. Wie gut fühlt es sich an?

Mein Vater ist jemand, der Entscheidungen auch durchzieht und für seine eigene Meinung geradesteht. - Svenja GümbelSvenja Gümbel: Ich habe G8 gemacht, von der fünften bis zur neunten Klasse, wir waren am Beginn 25, am Ende 17. Immer wieder werden Leute rausgerissen, ihnen wird gesagt: Du bist nicht gut genug, um den Weg weiterzugehen. Das mitzuerleben, ist nicht schön für eine Gruppengemeinschaft. Ich erlebe gewisse Debatten im Landtag als zynisch, wenn gesagt wird, dass ­keine Stunden mehr ausfallen würden. Ich habe das ganz anders erlebt. Es fallen täglich viele Stunden in hessischen Schulen aus. Da fehlt den Verantwortlichen oft der Bezug zur Realität, was wirklich läuft an Hessens Schulen.

Frau Gümbel, Sie sind promovierte Historikerin und Sie sind berufstätig. Welche Rolle spielt das Thema Vereinbarkeit zu Hause?

Annette Gümbel: Wir planen einfach unser Leben zusammen und da gibt es unterschiedliche ­Phasen. Als ich promoviert habe, hat Thorsten mir die Kinder­erziehung abgenommen. Und jetzt bin ich mehr drin als er. Das ist ein ganz normales Geben und Nehmen. Und unsere Kinder sind sehr selbstständig. Wir sind eine normale Familie, die viel um die Ohren hat. Wie andere berufstätige Familien auch.

Warum wäre Ihr Vater ein guter Ministerpräsident?

Svenja Gümbel: Weil er immer den Mut hatte, Schritte zu gehen, die man nicht hundertprozentig voraussehen kann. Er ist jemand, der Entscheidungen auch durchzieht und für seine eigene Meinung geradesteht.

Warum wäre Ihr Mann ein guter Ministerpräsident?

Annette Gümbel: Weil er sein Wort hält. Weil er den Überblick behält. Und weil er die richtigen Entscheidungen trifft und sich damit auch gut abstimmt.